Wild und schön: Selvaggio Blu Tour 2016 (Teil 3)

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Wir haben fünf Tage auf dem Selvaggio Blu nicht nur in den Beinen, sondern auch in den Kleidern. Der schicke Hotelangestellte, der uns die Appartements öffnet, ist sehr höflich und verzieht keine Miene, aber für uns ist klar: es wird geduscht und gewaschen. Schnell entsteht ein reger Schichtbetrieb. Alessandro und Stefan sitzen unter der Wäscheleine und übertragen Infos zu Route und Trinkwasser in die Karte des Trails. Anschliessend treffen wir uns mit den anderen im Restaurant zum Abendessen. Der sardische Inhaber begrüsst uns mit „Grüezi mitenand“. Es gibt fantastische Pasta, Fisch und sardischen Wein. Dass wir das Kajaken nach hinten verschieben mussten, hat auch seine guten Seiten.

Selvaggio-Blu-Waeschetrocknen

Auch am nächsten Morgen legt sich unser Gastgeber mächtig ins Zeug und serviert ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Wir machen die Essensplanung, packen unsere Sachen und verschaffen dem lokalen Supermarkt den Umsatz des Monats. Unsere Kajaks sind schnell am Strand und werden unter den fragenden Blicken der Passanten bis an den Rand beladen. Das Wetter ist gut und wir sind noch vor dem Mittag auf dem Wasser.

Wir verlassen den Hafen von Cala Gonone und erreichen im Nu die Steilküste. Das Meer ist ruhig und so können wir die Höhlen, die wir bereits vom Boot aus gesehen haben, mit dem Kajak erkunden. Manche sind klein, so dass man sich hineinducken muss, andere gross wie Wohnzimmer, in die alle unsere Boote passen. In manchen führt der leichte Seegang zu beeindruckenden Geräuscheffekten.

Wir passieren paddelnd den Felsabbruch und suchen vom Meer aus die Stellen, die wir zu Fuss passiert haben. Der Selvaggio Blu ist von hier unten jedoch nur schwer auszumachen.

Selvagio Blu: Holztransporter

Abenteuerliche Höhlen

Bis jeder von uns jede Höhle erkundet hat, vergeht einige Zeit. Wir beschliessen, dass wir nicht zwingend bis Pedra Longa paddeln müssen und nehmen es gemütlich. Schliesslich sind wir trotz allem schneller als bei unserer Tour an Land. Wir beobachten fasziniert eine Delphinfamilie, erreichen Cala Sisine und schlagen dort unser Nachtlager auf.

Am nächsten Morgen reisen wir weiter Richtung Süden. Unser Ziel ist Caletta Mudaloru. Wir haben dort in einem Versteck einen Kaffeekrug deponiert. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass das Versteck leer ist. Wir bleiben trotzdem über Mittag zum Essen in der Höhle am Meer. Ein Paar aus Frankreich schafft es zu Fuss bis zu uns nach unten, kann aber über den Verbleib des Kruges keine Auskunft geben.

Wir paddeln weiter nach Cala Goritzè. Dort müssen wir noch einen deponierten Müllsack abholen. Der ist natürlich noch da. Die beiden Pärchen am Strand dort sind wenig erfreut über die plötzliche Invasion von sechs Kajaks. Aber kein Problem. Wir haben auf dem Weg hierher den Strand von Cala Mariuo entdeckt und sind schnell wieder weg.

An unserem Traumstrand sind wir allein, gehen baden, bouldern und kochen. Zudem hat Dominque Geburtstag und wird mit Hängematte und einer Geburtstagtorte in der Farbe selvaggioblu verwöhnt.

Der Wetterbericht am nächsten Morgen sagt starken Wind aus Norden voraus. Und er hat Recht. Wir schlängeln uns in Küstennähe von Bucht zu Bucht. Trotzdem sind wir im Nu nass. Der Druck des Windes ist am Paddel zu spüren, wir kämpfen uns Schlag für Schlag weiter, kommen aber nur langsam voran. Auf Höhlen hat gerade niemand mehr Lust.

Dafür hält die Cala Sisine viel Holz für unser Feuer bereit. Inzwischen ist es windstill und wir beziehen unser Lager auf der anderen Seite der Bucht. Das eröffnet eine völlig neue Perspektive und hinterlässt den Eindruck, an einem neuen Strand zu sein.

Im Schwemmholz finden wir einige schöne, grosse Stücke Wachholderholz, trocken und schwer. Ideal zum Schnitzen. Es ist klar, dass davon etwas mit muss. Die Frage ist nur wie? Wir bauen aus vier Latten zwei Ladeflächen und verbinden damit am nächsten Tag zwei Kajaks zu einem Floss. Darauf binden wir drei Holzblöcke.

Der Wind kommt inzwischen aus Süden und schiebt uns Richtung Zielhafen. Wir spannen unser Tarp auf und Segeln ein Stück bis der Wind wieder nachlässt. Unser Floss funktioniert, aber die Wellen bleiben an den Spoilern hängen. Zudem zieht es leicht nach links, so dass Stefan mehr paddeln muss als ich, damit wir auf Kurs bleiben. So erreichen wir den Strand von Cala Gonone mit schweren Armen.

Selvaggio Blu: Auch das ist Urlaub mit e7°
Selvaggio Blu: Kajaken, baden und fliegen

Unsere Reise ist zu Ende. Wir packen unsere Sachen, verabschieden uns von Nicola. Bis nächstes Jahr. Selvaggio Blu, wir kommen wieder.

Für die Fotos zu diesem Beitrag danken wir Alessandro Fischer (www.alessandrofischer.ch)

< Hier geht’s zum 2. Teil unserer Selvaggio-Blu-Tour 2016

2017-10-13T20:34:20+00:00